Grußwort

Dr. med. H.-P. Friedrichsen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Kongressteilnehmer,

Man sollte doch denken, dass der Wohlstand in den Industrienationen den Gesundheitszustand der jeweiligen Bevölkerung verbessert und damit die Erkrankungsraten reduziert. Seit Jahrzehnten beobachten wir aber eine stetige Zunahme von Adipositas, chronisch entzündlichen Erkrankungen, Diabetes, Herz- Kreislauf-Erkrankungen, Krebs oder neurodegenerativen Erkrankungen gerade in den modernen Wohlstandsgesellschaften mit einer hochentwickelten Medizin. Ganz offensichtlich lassen sich diese chronischen Erkrankungen nicht durch unsere hochgerüstete Medizin und auch nicht durch die unüberschaubare Zahl von synthetischen Medikamenten reduzieren. Auch der heutige Homo Digitalis 2.0 wird durch seinen Stoffwechsel gesteuert und dieser stammt aus grauer, analoger Vorzeit. Wesentliche Eckpunkte einer ungestörten Stoffwechselsteuerung und damit Basis unserer Gesundheit und Leistungsfähigkeit sind immer noch: Ernährung, Nährstoffe und Bewegung sowie Ruhe zur Regeneration und Reparatur. Auf dem Weg in die Zukunft haben wir uns immer weiter von unserer Basis entfernt. Diesen Distanzierungsprozess des Menschen von seiner gesunderhaltenden Basis können wir als gigantischen Feldversuch an vielen Stellen dieser Welt beobachten. In dem Maße, in dem die global agierenden Nahrungsmittelkonzerne ihr synthetisches Junkfood mit exzessivem Marketing in einem Land verbreiten, nehmen der Konsum von gesunden, lokal erzeugten Lebensmitteln ab und die Inzidenz von chronischen Krankheiten wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc. zu. Dies zeigt sich u.a. in Afrika, Südamerika, China, Ozeanien.
Den größten Einfluss auf den Gesundheitsstand der Bevölkerung einer modernen Industriegesellschaft haben nicht staatliche Institutionen oder Strukturen des Gesundheitssystems, sondern multinationale Konzerne aus der Chemie-, Nahrungsmittel- und Genussmittel Branche, die die Welt mit ihrem synthetischen Junkfood und den begleitenden Schadstoffen überschwemmen. Wir brauchen unbelastete, naturbelassene Lebensmittel, eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, tägliche Bewegung und einen biologischen Rhythmus mit ausreichenden Ruhephasen, um gesund zu bleiben und uns z.B. auch gegen Infektionen wie Covid 19 zu wehren. Ein Großteil der Menschen mit schwerem Covid 19 Verlauf hatten deutliches Übergewicht oder andere chronische Erkrankungen, häufig als Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel sowie als Ursache für Nährstoffdefizite und insuffiziente Immunabwehr. Nicht das Coronavirus stellt das Hauptproblem dar, sondern die fehlregulierte Antwort des Körpers auf das Virus.
Auch nach der Corona-Pandemie wird sich das technisierte Wohlstandsleben mit Industrie- Nahrungsmitteln, hoher Schadstoffbelastung, Bewegungsarmut und Stress nicht ändern, wenn wir nicht selbst aktiv werden.
Synthetisches Junkfood und Genussmittel, Agrochemikalien und Umweltbelastung machen uns krank und anfällig für weitere Pandemien. Die Hightech-Medizin unserer Wohlstandsgesellschaft kann uns davor nicht schützen. Dies müssen wir verstehen und den Weg zurück zur Basis für unsere Gesundheit finden. Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Nehme Sie diese Medizinische Woche als Anlass und Motivation für Ihren ersten Schritt.

Viel Erfolg!

Dr. med. Hans-Peter Friedrichsen
Kongressleiter und geschäftsführender Vorstand
der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V.