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Grußwort

Dr. med. H.-P. Friedrichsen

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Kongressteilnehmer,

 

nur ein Klick für die Diagnose und ein weiterer für die Therapie? Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche unserer modernen Welt macht auch vor der Medizin nicht halt. Die schnelle Verarbeitung großer Datenmengen, wie sie durch digitale Techniken möglich ist, hat die modernen bildgebenden Verfahren wie Computertomographie, Kernspin usw. erst ermöglicht.
Niemand möchte darauf verzichten, ebenso wenig wie auf die Möglichkeiten der modernen Labordiagnostik, die eben - falls erst durch digitale Datenverarbeitung ermöglicht wurde. Leistungsfähige Mikroprozessoren revolutionieren die Prothetik und 3-D-Drucker können bereits Gewebe wie z.B. Knorpel als Ersatz für geschädigte Strukturen liefern. Digitalisierung bedeutet aber auch eine unüberschaubare Flut von Empfehlungen und Ratschlägen aus dem Internet oder über Gesundheits-Apps. Gesundheit aus dem Internet – ist das der neue Trend? Was bedeutet das für die Medizin und für uns Ärzte?
Krankheit und Gesundheit sind keine berechenbaren und sicher vorhersehbaren Zustände, sondern multifaktorielle, individuell oft unterschiedlich ausgeprägte Ereignisse, die gerade nicht einer strengen Gesetzmäßigkeit folgen und sich daher auch nur bedingt digital erfassen und verstehen lassen. Die alleinige Erfassung von Messdaten reicht für das Verständnis der Erkrankung und eine daraus abgeleitete optimale Therapie nicht aus. Die erfolgreiche therapeutische Arbeit des Arztes basiert nur zum Teil auf Daten. In ganz erheblichem Umfang trägt seine individuelle Erfahrung zum Erfolg der ärztlichen Tätigkeit bei und gerade diese Erfahrung kann uns der Computer nicht vermitteln und sie auch nicht ersetzen. Erfahrung ist mehr als die Ansammlung von Daten. Erst die Kombination der erhobenen Daten mit der Erfahrung des Arztes und auch seiner Intuition ermöglicht eine individuelle, optimierte Therapie.
Computer bzw. Roboter werden immer mehr automatisierbare Tätigkeiten im Rahmen der ärztlichen Behandlung übernehmen bis hin zu computergesteuerten Operationen. Die letztliche Kontrolle wird aber immer den Arzt benötigen. Letztlich sind Krankheit und Gesundheit komplexe, aber analoge Vorgänge. Auf der diesjährigen Medizinischen Woche haben wir das Thema der Digitalisierung in der Medizin zum Schwerpunktthema gemacht, um eine Diskussion zu starten und Standpunkte auszutauschen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erkenntnisgewinn für Ihre tägliche Arbeit.

Dr. med. Hans-Peter Friedrichsen
Kongressleiter und geschäftsführender Vorstand
der Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V.