Topthema: Gynäkologie in der Allgemeinpraxis

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard, Heidelberg
08:30–12:30 Uhr
Kongresshaus, Kongresssaal I (1. OG)
Vormittag Kongresssaal I · 1. OG
 
08:30–09:00 Uhr

Warum Ihre Patientinnen nicht einmal zur
Tee-Party einladen? Aktuelles zu EGCG

Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard, Heidelberg

In den vergangenen Jahren konnten sich viele Kaffee-liebende Deutsche mit Grüntee anfreunden, sagt man ihm doch besondere Schutzwirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem nach und günstige Wirkungen auf die Blutfette, den Magen-Darmkanal, das Nerven- und das Immunsystem. Nachdem ein Heidelberger Professor sich durch das Trinken von mehreren Litern Grüntee pro Tag erfolgreich von einer lebensbedrohlichen Erkrankung (Amyloidose) geheilt hatte (2008 in Nature publiziert), beforschte seine Arbeitsgruppe die Inhaltsstoffe von Grüntee. 
Man fand heraus, dass besonders ein Catechin, das Epigallocatechin-3-Gallat (EGCG), die meisten gesundheitsfördernden Wirkungen besitzt. Es macht etwa ein Drittel der Trockenmasse von grünem Tee aus und schützt die Pflanze vor Fressfeinden und UV-Strahlen. In Zellkulturen und Tierversuchen konnten verschiedene Pathomechanismen nachvollzogen werden, durch die EGCG so eine herausragende antiproliferative, Apoptose-induzierende, antiangiogenetische und antientzündliche Wirkung hat. 
Einem gesunden Menschen kann das Trinken von 1L Grüntee pro Tag als Basis zur Gesunderhaltung empfohlen werden. Liegen jedoch bereits Störungen vor, so reicht die geringe Bioverfügbarkeit von EGCG nicht aus. Man benötigt Extrakte mit Bioenhancern, um therapeutisch wirksame Plasmaspiegel zu erreichen. Im Vortrag werden die Einsatzgebiete der EGCG-Therapie in der Gynäkologie (bspw. Myome, Endometriose, pathologischer PAP, Tumorbegleittherapie) und bei Frauen in der Allgemeinpraxis dargestellt.

 

09:00–09:30 Uhr

Hormontherapie oder wo ist der Beipackzettel vom Eierstock?
Dr. med. Sabine Räker-Oese, Schwabach
 

Die Hormontherapie aus ganzheitlicher Sicht betrachtet, umfasst nicht nur jedes Fachgebiet, sondern bietet auch zahlreiche Möglichkeiten in der Behandlung für körperliches Wohlbefinden und Gesundheit. Aus dem Blickwinkel der Natur betrachtet, ist die Einheit von Körper, Geist und Seele durch das perfekte Zusammenspiel der körpereigenen Hormone konzipiert.
Demgegenüber stehen aber die nahezu unüberwindlichen Vorbehalte und Verunsicherungen im Zusammenhang mit Hormontherapien bei Ärzten und den Patientinnen selbst. Jahrelange Fehlinformationen und eine schlichtweg falsche Darlegung des Begriffs „Hormon“, schürten die Ängste vor sinnvollen, einfachen und lohnenden Hormontherapien.
In einem kurzen Abriss, erläutere ich die hormonellen Zusammenhänge der Körperfunktionen und gebe einen Überblick des weiblichen Zyklusverhaltens im Zusammenhang mit Symptomkonstellationen der Wechseljahre oder prämenstruellen Phase. 
Ihnen werden somit einfache Behandlungsansätze dargelegt, die Ihre fachliche Expertise in der Allgemeinarztpraxis sinnvoll ergänzen. 

09:30 - 10:00 Uhr

Wer ist wann zuständig? PCOS sicher erkennen und in Kooperation ganzheitlich betreuen.
Dr. med. Sonja Aßmann, Würzburg

Das Polyzstische Ovarialsyndrom (PCOS) ist die häufigste hormonelle Störung der Frau, weltweit wird die Prävalenz auf 8-13 % geschätzt (1). Dabei wird davon ausgegangen, dass die Diagnose nur bei circa einem Drittel der Betroffenen gestellt wird.
Das vielseitige Krankheitsbild bietet neben endokrinologischen und reproduktiven Faktoren auch metabolische und psychische Faktoren, die es zu beachten gilt. Damit geht die Betreuung einer PCOS-Patientin idealerweise Hand in Hand zwischen Frauenheilkunde und Allgemeinmedizin.

Mit Hilfe von Behandlungsfällen soll anschaulich die Diagnosestellung entsprechend der Rotterdam-Kriterien gefestigt werden, Neuerungen aus der internationalen Leitlinie von 2018 (1) gezeigt werden, um dementsprechend jeweils ein individuelles Betreuungskonzepte darzustellen.
Danach können folgende Fragen beantwortet werden:
1.) Wie wird ein PCO-Syndrom diagnostiziert (evtl. auch ohne transvaginal-Schall und ohne zusätzliche  Laboruntersuchungen)?
2.) Welche Screening-Methoden sollten bei Diagnosestellung zusätzlich angewendet werden?
3.) Welche Behandlungsmethoden gibt es?
4.) Auf welche Aspekte muss präventiv in einer langfristigen Betreuung geachtet werden (psychisch, reproduktiv, kardiovaskulär, metabolisch etc.)?

Um die ganzheitliche Betreuung auch naturheilkundlich abzurunden, erfolgt ein Überblick auf die aktuelle Studienlage zu Optionen der Phythotherapie, die Bedeutung von Vitamin D sowie ein Ausblick auf völlig neue Ansätze, wie Immunmodulation, Ernährung und Fasten.
(1)Teede HJ, Misso ML, Costello MF, Dokras A, Laven J, Moran L, Piltonen T, Norman RJ; International PCOS Network. Recommendations from the international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome. Fertil Steril. 2018 Aug;110(3):364-379. doi: 10.1016/j.fertnstert.2018.05.004. Epub 2018 Jul 19. PMID: 30033227; PMCID: PMC6939856.
 

10:00 - 11:00 Uhr

Pause und Besuch der Fachausstellung

11:00 - 11:30 Uhr

Gestresst? Erschöpft? Depressiv? Diagnostisch alles geprüft? Vielleicht HPU!
Dr. med. Luitgard Baumeister-Jesch, Leimen

 

11:30 - 12:00 Uhr

Abwehrbereit oder abgeschlagen? Die Lymphozytentypisierung
ermöglicht individualisierte Therapieansätze bei chronischer Virusbelastung

Dr. med. Sibylle Kloss, Eppelheim

Der Beginn der dunklen Jahreszeit geht mit der allgemeinen Empfehlung einher, das Immunsystem zu stärken. Während Erreger respiratorischer Virusinfektionen bei kühler und nasser Witterung dominieren, gab es auch in den zurückliegenden Frühjahr- und Sommermonaten vermehrt virale respiratorische Infektionen . Zudem erscheinen immer mehr Menschen, insbesondere junge Frauen in den Praxen mit langen Rekonvaleszenz-Zeiten oder anhaltender Leistungsminderung, Gelenk- und Muskelschmerzen oder vermehrtem Autoimmungeschehen. Differenzialdiagnostisch stellt sich die Frage einer nicht ausgeheilten Virusinfektion bei einer möglicherweise bereits vorhandenen chronischen Virusbelastung, einem Immunsystem, das in Dybalance geraten ist, oder einer Immundefizienz, primärer oder sekundärer Genese.
Außer dem Ausgleich von Mikronährstoffen und Vitaminen bietet sich eine immunstärkende oder immunmodulierende  Therapie an. 
Diese therapeutischen Ansätze setzen jedoch die Kenntnis der Schwächen im angeborenen oder adaptiven Immunsystem voraus.
Durch die flowzytometrische Diagnostik, der sogenannten Lymphozytentypisierung oder Immunphänotypisierung, werden zum einen Teile des angeborenen Immunsystems in den NK-Zellen erfasst. Zum anderen kann das adaptive Immunsystem dargestellt werden, das T-Lymphozyten mit Helfer- und Suppressor-Zellen, sowie B-Lymphozyten und jeweils weitere Subtypen umfasst. 
Durch die Erkenntnis von Veränderungen  in dem Gefüge dieser lymphozytären Subtypen ergibt sich eine Vielzahl von Ansätzen zur weiteren Diagnostik der Grunderkrankungen (Infektanfälligkeit, chronisch entzündliche Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Tumorerkrankungen).
Eine überschießende Immunantwort bedarf keiner Immunstimulation und ein Mangel an aktivierten Killerzellen (zytotoxischen Zellen) benötigt andere Wirkstoffe als ein Mangel an Helferzellen.
Insbesondere ein Mangel der NK-Zellen, die u.a. das Eindringen von Viren an den Schleimhäuten verhindern, sollte erkannt und therapeutisch ausgeglichen werden. 
Das Immunprofil ist grundlegend entscheidend für eine individuell optimierte immunmodulierende Therapie. 

 

12:00 - 12:30 Uhr

Dufte Medizin – Antivirale Phytotherapie aus der Apothekenrezeptur bei vaginalen Infekten
Sabine Bäumer, Karlsruhe