Neue immunologische Perspektive für Virus- und Krebspatienten

Prof. Dr. med. Dr. phil. Dr. habil. Tibor Hajto, Medical University Pecs (Ungarn)
11:00- 13:00 Uhr
Kongresshaus, Auditorium
Vormittags Auditorium (UG)
* Mit freundlicher Unterstützung der Fa. BMT Braun GmbH, Stuttgart
 

In den vergangenen Jahrzehnten ist es einfach eine Mode geworden, bei Tumorpatienten das Immunsystem zu verbessern. Der Markt wurde mit unzähligen Immun-Boostern überschwemmt und bei diesen Präparaten war es meistens unklar, welcher Teil des Immunsystems moduliert wird. Parallel dazu wurde damit eine ausgedehnte tumorimmunologische Forschung durchgeführt, welche die Aktivität der hoch-spezifischen T-Zellen zu verbessern suchte. Aber diese seit 30 Jahren voranschreitenden Forschungen konnten keinen wirklichen Durchbruch in der Tumortherapie bringen. Trotz der enormen Entwicklung der Tumordiagnostik werden bösartige Tumore erst ab einem Durchmesser von 5mm (das heißt 5‘000 μm) entdeckt. In diesen frisch entdeckten Tumoren kann die Zahl der Tumorzellen mehrere Millionen sein. Bei dieser Größe scheint das Auswachsen von Klonen, die definitiv der T-Zell-Lyse entkommen, unvermeidlich zu sein. Es ist auch bekannt, dass diese T-Zell-resistenten Tumorklone eine mit genetischer Dysregulation in Zusammenhang stehende irreversible und nicht reparierbare quantitative und qualitative Veränderung ihrer MHC-I-Antigenproduktion aufweisen. Dies führt zu einer zunehmenden Unfähigkeit, tumorassoziierte Antigene für zytotoxische T-Zellen zu präsentieren. Das löst eine T-Zell-Toleranz der Tumorzellen aus. Folglich konzentriert sich die wachsende Aufmerksamkeit auf die MHC-I unrestricted angeborenen Immunmechanismen, deren Fluchtmechanismen besser reparierbar zu sein scheinen. Die MHC-I unrestricted angeborenen Immunmechanismen besitzen eine permanente Grundaktivität (Priming), die ihre Funktionen bestimmen können. Ähnlich dem neuroendokrinen System weist auch dieses Priming des angeborenen Immunsystems eine Polarität auf, da es in zwei Richtungen erfolgt.  Sowohl maligne Tumore als auch virusinfizierte Zellen können eine Dysregulation des Gleichgewichts zwischen diesen ausgelassenen Mechanismen induzieren. Bis heute konnte man diese Tumor- oder Virus-induzierte Dysregulation chemisch nicht behandelt werden und zunehmende Beweise sprechen dafür, dass eine erfolgreiche Therapie nur mit aus der Natur stammenden Strukturen (wie z. B. mit Arabinoxylan-Konzentrat aus Reiskleie) möglich ist. In diesem Vortrag werden diese Forschungen diskutiert, welche neue Perspektiven eröffnen könnten.