Krebskongress

Prof. Dr. med. Fred Fändrich, Kiel/ Dr. med. Stephan Wey, Lauf
08:30 - 12:30 Uhr
Kongresshaus, Auditorium (UG)
Vormittag Auditorium (UG)
 
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Moderation: Prof. Dr. med. Fred Fändrich, Kiel

08:30–09:00 Uhr

Neue Perspektiven der Tumortherapie durch Senolytika
Prof. Dr. med. Fred Fändrich, Kiel

Zelluläre Seneszenz ist maßgeblich an Alterungsprozessen, chronischen Erkrankungen und Krebsentstehung beteiligt. Sie kann durch unterschiedliche Faktoren, wie zellulärem Stress, Telomerverkürzung, Aktivierung von Onkogenen, mitochondrialer Dysfunktion, ROS und anderen ausgelöst werden. Allgemein wird die Seneszenz geschädigter Zellen als Tumorsupressormechanismus angesehen, weil sich seneszente Zellen nicht länger teilen können. Durch Seneszenz wird also einerseits die Umwandlung prämaligner Zellen in manifeste Tumorzellen unterdrückt. Dies ist auch einer der Schlüsselmechanismen vieler Anti-Krebs-Medikamente, insbesondere von Chemotherapeutika. Andererseits sind seneszente Zellen unfähig, den apoptotischen Zelltod einzuleiten und akkumulieren in allen Geweben mit zunehmendem Alter. Eng mit ihrer Ablagerung verbunden ist der Seneszenz-vermittelte sekretorische Phänotyp (SASP), worunter die Freisetzung multipler inflammatorischer Mediatoren, die ihrerseits gesunde Zellen ihrer Umgebung der Seneszenz zuführen.
In Kontext der Chemotherapie-vermittelten Seneszenz wird nun zunehmend berichtet, dass damit eine erhöhte Gefahr des Tumorrezidivs und der Metastasierung einhergeht. Eine neue Medikamentengruppe sogenannter Senotherapeutika umfaßt die Senostatika und Senolytika. Senostatika blockieren funktionell den Seneszenz-assoziierten SASP, während Senolytika in der Lage sind, seneszente Zellen über Apoptose zu eliminieren. Derzeit wird in einer Reihe klinischer Studien untersucht, wie die Kombination von Seneszenz-induzierenden und anschließendem Einsatz von Senolytika die Krebsbehandlung im Hinblick auf Überleben und Vermeidung des Tumorrezidivs ein Vorteil zu herkömmlichen Behandlungsstrategien erreicht werden kann. Im Vortrag werden mögliche Potentiale dieses Vorgehens aufgezeigt.

 

09:00–09:30 Uhr

Abskopaleffekte in der Onkologie – retrospektiv analysiert und ganz bewusst als Abskopaltherapie in neue Therapieformen integriert
Dr. med. Wulf-Peter Brockmann, Hamburg
 

In Verbindung mit diesem Thema lassen sich retrospektiv einige Widersprüche in japanischen Ergebnissen der intraoperativen Hochdosis-Radiotherapie, noch vor der Jahrtausend-Wende beim Pankreaskarzinom publiziert, immuno¬logisch sehr gut auflösen und erschei¬nen dabei inhaltlich sogar zwingend logisch und ohne Ungereimtheiten. 
Die während der nachfolgenden Jahrzehnte immer wieder als Einzelfälle kol-portierten Abskopaleffekte, praktisch ohne besondere pathohistologische Präfe¬renz, weisen zumindest eine ganz bestimmte Handschrift auf:
anscheinend sind – bislang ohne ausreichend gewürdigt worden zu sein – die notwendige Voraussetzungen hierfür 
1.    ein möglichst unbeeinträchtigtes zelluläres Immunsystem und
2.    eine lokale (extrem hoch dosierte) Therapieform, die 
a.    (fast) alle so therapierten Tumorzellen inner¬halb kürzester Zeit noch vor ihrer Anschaltung der Apoptose abtötet und
b.    eine Mindestmenge von Krebszellen erfasst.
Beispiele werden im Vortrag gezeigt und mit der hierzu relativ spärlichen Lite¬ratur und einer anverwandten, inzwischen künstlich als obsolet zu betrachtenden, immunologischen Therapieform diskutiert. 

09:30–10:00 Uhr

Immuntherapie bei Glioblastompatienten – Langzeitergebnisse
Dr. med. Thomas Neßelhut, Duderstadt

Die schulmedizinischen Behandlungsmethoden für die hochmalignen Glioblastoma multiforme  des Stadium IV (GBM IV) sind nach wie vor eingeschränkt. Operation, post-operative Strahlentherapie mit begleitender Temodal-Chemotherapie und sich daran anschließender Erhaltungstherapie mit Temodal (Stupp-Protokoll) ist nach wie vor der Therapiestandard, wobei die mediane Überlebenszeit lediglich 14,6 Monate beträgt. Trotz aggressiver postoperativer Therapien liegt die 5-Jahres-Überlebensrate nach wie vor bei lediglich ca. 5%. Aufgrund des biologischen Charakters treten im weiteren Verlauf der Erkrankung Rezidive auf. Der klinische Benefit einer systemischen Chemotherapie nach Rezidivbildung ist mit einer mittleren Lebenserwartung von ungefähr lediglich einem Jahr als marginal anzusehen. Demgegenüber liegen ausreichend klinische Studien und eigene Daten vor, die die Wirksamkeit der Immuntherapie mit dendritischen Zellen bei der Behandlung des GBM IV eindeutig belegen. In einer Langzeitbeobachtung von n=112 Patienten mit einem de novo GBM IV, die in unserer Praxis mit einer dendritischen Zelltherapie behandelt wurden, beträgt die 5-Jahres-Überlebensrate insgesamt 9% ab Erstdiagnose. Erfolgt die Behandlung im Anschluss an die postoperative Radio-Chemotherapie (n=25) beträgt das mediane Gesamtüberleben der Patienten ab Erstdiagnose: 31 Monate (13-140 Monate). Dies geht einher mit einer deutlichen Verlängerung des Gesamtüberlebens. Die 1-, 2-, 3-, 4- und 5-Jahres -Überlebensraten betragen 100%, 64%, 40%, 28%und 24% ab Erstdiagnose. Wird mit der Immuntherapie mit dendritischen Zellen nach Versagen der Radiochemotherapie begonnen, also nach Diagnose und eventueller Operation des 1. Rezidivs oder bei Progression (n=87), beträgt das mediane Überleben 19 Monate ab Erstdiagnose (2-96 Monate) und 8 Monate (1-72 Monate) ab Rezidivdiagnose. Die 1-, 2-, 3-, 4- und 5-Jahres -Überlebensraten liegen bei 29%, 8%, 5%, 4% und 2% ab Rezidivdiagnose. Somit ist die Immuntherapie mit dendritischen Zellen die derzeit einzige zur Verfügung stehende Therapieform, die ohne schwere Nebenwirkungen zu einer Stabilisierung des Tumorgeschehens führen und das mediane Gesamtüberleben von Patienten mit einem GBM IV sowohl in der adjuvanten als auch in der Rezidivsituation deutlich verlängern kann. 
 

 

10:00–11:00 Uhr

Pause und Fachausstellung

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Moderation: Dr. med. Stephan Wey, Lauf

11:00–11:45 Uhr

Das SARS-CoV2-Spike-Protein, Immunsuppression und Onkogenese
Dr. med. Johanna Deinert, Hamburg

11:45–12:30 Uhr

Spike-Proteine und immunologische Veränderungen
Prof. Dr. med. Brigitte König, Magdeburg

Psychoonkologie und Salutogenese

Dr. med. György Irmey, Heidelberg
14:30 - 18:30 Uhr
Kongresshaus, Auditorium (UG)
Nachmittag Auditorium (UG)
* *) Das Programm wurde gestaltet in Zusammenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Onkologie e.V., Europäischen Gesellschaft für Angewandte Immunologie e.V., Ärztegesellschaft für Erfahrungsheilkunde e.V. und Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr e.V.
 
14:30 - 14:35 Uhr

Begrüßung und Einführung
Dr. med. György Irmey, Heidelberg

14:35 - 15:15 Uhr

Neue Ressourcen zur Salutogenese über Zeichnungen Gekritzeltes von Patienten entdecken
Martin Roesch, Konstanz

15:15 - 16:00 Uhr

Therapeutische professionelle Berührung bei Krebserkrankung: Was sagt die Wissenschaft?
Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Berlin

Es ist zur Behandlung und Prävention  der Krebserkrankung wichtig, die  derzeit viel diskutierte Resilienz zu kräftigen, also die innere Widerstandskraft, die uns hilft, das Schicksal einer Krebserkrankung besser zu meistern. In diesem Zusammenhang spielt professionelle therapeutische eine wichtige und leider nicht allgemein erkannte Rolle. . Körperliche Berührung ist DIE  Basiskommunikation bei Mensch und  Tier.. Ohne Berührung werden wichtige Hirngebiete, die für unsere Emotionen, unser Körpergedächtnis und allgemein unser“ Körper-Ich“ wesentlich sind, nicht mehr aktiviert. Die Folgen auf der körperlichen und seelischen Ebene sind u.U. katastrophal. 
Professionelle Berührung z.B. in Form einer sog. psychoaktiven Massage kann  nicht nur bei Depressiven  ,sondern auch bei Krebskranken zur psychophysischen Stabilisierung beitragen. So zeigte sich  in einer Studie an der Charité Berlin  bei Frauen mit Brustkrebs im Vergleich zur Kontrollgruppe ein deutlicher  antidepressiver Effekt nach 10 Behandlungen mit Schwedischer Massage:  die Stimmung verbesserte sich , Ärger und Stressbelastung nahmen ab  und die Blutkonzentration des Stresshormons wurde reduziert. An manchen Institutionen wird gegen die belastende psychophysische Müdigkeit von Krebskranken  inzwischen erfolgreich die spezielle Technik des „therapeutic touch“ eingesetzt. Auch wenn es teilweise berechtigte Kritik an methodischen Einzelheiten vorhandener Studien gegeben hat, so liegen doch überzeugende positive Einzelergebnisse  auf diesem speziellen G ebiet vor. 
Die bisher  größte Studie wurde an dem international hoch angesehenen Sloane Kettering Tumor-Zentrum in New York durchgeführt und zeigte eindrucksvolle positive Wirkungen einer Massage  Therapie, die auch bis  zu 8 Stunden überdauerten. Insbesondere wurde auch die Besserung des Fatigue-Syndroms beobachtet.  
Die Erklärung für diese segensreichen Effekte muss auf verschiedenen Ebenen gesucht werden , die im Vortrag angesprochen werden.  Neurobiologische Mechanismen dürften hier ebenso wichtig sein  wie  Erklärungsmodelle auf der psychologischen  Ebene. Eine besondere Rolle in diesem Zusammenhang spielt das moderne Konzept der Interozeption  ( von früheren Forschern „Gemeingefühl“ genannt.) 
Berührungsmedizin sollte als eine wichtige neue medizinische Fachdisziplin angesehen werden. (Vgl. Müller-Oerlinghausen et al. 2022. )
Literatur
Müller-Oerlinghausen, B, Eggart M, Norholt H, Gerlach M, Kiebgis GM, Arnold MA, Uvnäs-Moberg K : Berührungsmedizin  - ein komplementärer therapeutischer Ansatz unter besonderer Berücksichtigung der  Depressionsbehandlung. Dtsch med Wochenschr doi:10.1055/a-1687-2445

16:00 - 17:00 Uhr

Pause und Besuch der Fachausstellung

17:00–17:45 Uhr

Nachhaltige Heilung ist Selbstheilung! – Der Patient, Mitgestalter in der Heilungs- und Potenzialentfaltung
Josef Ulrich, Niefern-Öschelbronn

17:45–18:30 Uhr

Wege aus der Angst bei Krebserkrankungen unter Einbeziehung der der Banerji Protokolle
Dr. Miguel Corty Friedrich, El Campello (Spanien)