Vortragstagung der NATUM e.V. – Arbeitsgemeinschaft für Naturheilkunde, Akupunktur, Umwelt- und Komplementärmedizin in der DGGG e.V. (NATUM)

Dr. med. Bernhard Ost, Düsseldorf/ Prof. Dr. med. Harald Meden, Rüti (Schweiz)
08:30 - 12:30 Uhr
Kongresshaus, Kongresssaal II (2. OG)
Vormittag Kongresssaal II · 2. OG
 

Moderation: Prof. Dr. med. Harald Meden, Rüti (Schweiz)

08:30 - 08:35 Uhr

Begrüßung und Einführung
Dr. med. Bernhard Ost, Düsseldorf/Prof. Dr. med. Harald Meden, Rüti (Schweiz)

08:35 - 09:00 Uhr

Nebenwirkungsmanagement bei onkologischen Therapien
Dr. med. Simone Linsenbühler, Nürnberg

09:00 - 09:30 Uhr

Chemotherapie und Lebensqualität: Vermeidung von Haarausfall und peripherer Neuropathie
Dr. rer. nat. Trudi Schaper, Düsseldorf

Die Chemotherapie ist die Therapie in der Behandlung von Krebserkrankungen, die von den Patienten am meisten gefürchtet wird. Anfangs stellt der Haarverlust die für die Patient:innen meist gefürchtetste Nebenwirkung dar. Körper- und Selbstwertgefühl werden stark beeinträchtigt (1, 2). Monate später sind es Langzeitkomplikationen wie z.B. die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie (CIPN), die für viele Patientinnen im Vordergrund stehen, da sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Die Inzidenzrate und  der Ausprägungsgrad der CIPN sind abhängig von Art und Dosierung der verabreichten Chemotherapie (Substanzklasse, Anzahl der Therapiezyklen, Dosierung u.a.), aber auch fortgeschrittenes Alter, Body Mass Index, fehlende Aktivität, verschiedene Komorbiditäten (z.B. Diabetes, u.a.) sowie die Einnahme von neurotoxischen Medikamenten, Alkoholkonsum und Nikotin können das Risiko zur CIPN steigern (4, 8-12). 
CIPN kann sich innerhalb weniger Wochen bis Monate nach erstmaliger Gabe der Chemotherapie entwickeln und für Monate bis Jahre Ende der Chemotherapie bestehen bleiben (1). Als teilweise irreversible Langzeitkomplikation beeinflusst sie die Lebensqualität der Patienten nachhaltig (4, 6). Durch den Einsatz moderner, zielgerichteter Therapieoptionen ist eine signifikante Verbesserung der Langzeitprognose für viele onkologische Patienten zu verzeichnen. Daher sollte zukünftig auch vermehrt auf den Erhalt der Lebensqualität fokussiert werden.
Die Idee, dass Kälte während der Chemotherapie bestimmte Nebenwirkungen reduzieren oder gar verhindern könnte ist nicht neu (3, 4, 5, 6, 7). Der Wirkungsmechanismus ist simpel: durch kontinuierliche Kühlung kommt es zur Vasokonstriktion der Blutgefäße, die die Haarfollikel und Nervenendigungen in den Extremitäten versorgen. Der Metabolismus sowie Sauerstoffbedarf des Gewebes werden reduziert, die Folge ist die reduzierte lokale Aufnahme der zytotoxischen Substanzen. Weniger Haarfollikel und Nervenendigungen werden verletzt, Alopezie kann sichtbar reduziert und limitierende CIPN vermieden werden.

 

09:30 - 10:00 Uhr

Komplementärmedizin und Immunsystem
PD Dr. med. Mignon-Denise Keyver-Paik, Bonn

10.00 - 11:00 Uhr

Pause und Besuch der Fachausstellung

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Moderation: Dr. med. Reinhild Georgieff, Leipzig

11:00–11:30 Uhr

Klimakterisches Syndrom: Alternativen zur Hormontherapie
Dr. med. Martin Porstner, Tegernsee

Klimakterische Beschwerden stellen sowohl in der haus- als auch in der frauenärztlichen Praxis ein häufig anzutreffendes Beschwerdebild dar. Neben der klassischen Symptomen wie Hitzewallungen und Schlafstörungen existiert eine Vielzahl weiterer Symptome, seien es depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit oder Gelenkbeschwerden. 
Ein relevanter Anteil der Patientinnen fragt heutzutage nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, sei es aufgrund eigener negativer Erfahrungen oder der Sorge vor möglichen Nebenwirkungen. Auch die Haus- und FrauenärztInnen sind aufgrund etablierter Kontraindikationen darauf angewiesen in bestimmten Situation, z.B. im Zustand nach Brustkrebs, Alternativen anbieten zu können. 
Mittels selektiver Literaturrecherche werden verschiedene therapeutische Ansätze zur Behandlung peri- und postmenopausaler Beschwerden beleuchtet. Das Spektrum reicht hierbei von der orthomolekularen Medizin über phytotherapeutische Ansätze bis hin zu Lebensstilveränderungen sowie Aspekten der Traditionell chinesischen Medizin. 
Den niedergelassenen KollegInnen sollen unter Berücksichtigung  des individuellen Beschwerdebildes sowie des Sicherheitsprofils konkrete und gut umsetzbare Maßnahmen für den Praxisalltag aufgezeigt werden. 
Somit liegt es in der Hand der TherapeutInnen aus einer Vielzahl von Möglichkeiten gemeinsam mit der Patientin die geeigneten Maßnahmen auszuwählen. 

 

11:30–12:00 Uhr

Harnwegsinfektionen ohne Antibiotika therapieren
Dr. med. Reinhild Georgieff, Leipzig

Jeder ist gefragt, so wenig wie möglich Antibiotika einzusetzen, damit es für schwierige Fälle noch greift.
Akute Harnwegsinfekte lassen sich mit phytotherapeutischen Präparaten  gut beheben, es ist jedoch sehr wichtig, bei den ersten Symptomen einer Blasenentzündung frühzeitig zu handeln. Bei Patientinnen, die anfällig für Harnwegsinfekte sind, sollten also entsprechende Mittel in der Hausapotheke sofort verfügbar sein.
Heilkräuter für die Blase gibt es viele.
Interessant ist ein Präparat mit Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel. Die hierin enthaltenen Senföle wirken antibakteriell, entzündungshemmend und gegen den sogenannten „Biofilm“. Wichtig ist, hochdosiert zu therapieren, so dass 3x 4 Tabletten wirklich von den Patientinnen eingenommen werden sollen. Da diese Wirkung durch Studien belegt ist, wurde dieses Präparat 2017 in die S3 Leitlinie bei unkomplizierten Harnwegsinfekten aufgenommen.
Ein weiteres Präparat gibt es seit Jahren und ist seit August 2007 als traditionelles pflanzliches Arzneimittel bei leichten Beschwerden im Rahmen entzündlicher Erkrankungen der Harnwege registriert (§ 39c AMG). Es enthält Rosmarinblätter, Liebstöckelwurzel, Tausendgüldenkraut. Die Dosierung beträgt 3x1 Dragees für 10 Tage bei dem uno-Präparat. Die Wirkung der Inhaltsstoffe ist schmerzlindernd, krampflösend, bakterienausspülend und entzündungshemmend. In einer Phase III-Studie bei akuten, unkomplizierten Infektionen der unteren Harnwege wurde das Präparat gegen eine antibiotische Standarttherapie getestet und konnte zeigen, dass die typischen Symptome einer akuten, unkomplizierten Harnwegsinfektion damit umfassend zu behandeln sind und das erneute Auftreten von rezidivierenden Harnwegsinfektionen zu senken geht.
Goldrutenkraut enthält Flavonoide, die harntreibend und entzündungshemmend und krampflösend wirken, was seit 1990 in der Monografie der Kommission E bestätigt wird. 
In Bärentraubenblättern wirkt Hydrochinon antibakteriell. 1994 wurde in der Monografie der Kommission E die antibakterielle Wirkung bestätigt und die Anwendung bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege anerkannt. Da Leberbelastungen möglich sein können, wird von längerfristiger Einnahme abgeraten. 
Da sich Bakterien versuchen, festzusetzen, gibt es Mittel mit Antihaft-Effekt.
Dazu gehören die Cranberrys (Moosbeeren), deren Proanthocyanidine die Bindungsstellen der E.coli-Bakterien blockieren. So ähnlich wirkt auch Mannose, welches eine Zuckerart ist. 
Lactoferrin ist ein Protein und zeigt Wirkung bei der Auflösung von Biofilmen, verringert zudem auch die Andockhäufigkeit. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen bezüglich antibakterieller, antiviraler, antimykotischer und auch teilweise antiparasitärer Eigenschaften von Lactoferrin. 
Eine gute Zusammensetzung enthält ein Präparat mit Bakterienkulturen– Bacillus subtilis und Bacillus coagulans, sogenannten Sporebiotics, Cranberry, Goldrute und Lactoferrin. Als Dosierung gilt 1x1 Tablette pro Tag. 
Sehr gut bewährt hat sich ein Präparat mit Lactoferrin, Lysozym, Grünteeextract Epigallocatechingallat (EGCG), Mannose und Zink. Erwachsenen empfiehlt man zwei Tage 6, später 4 Tabletten pro Tag. Lysozym ist ein Enzym, das aus Hühnereiern gewonnen wird, deshalb sollte das Präparat nur dann gegeben werden, wenn eine Allergie gegen Hühnerei ausgeschlossen werden kann.
Wir Ärzte sind gefragt, möglichst oft ohne Antibiotika zu therapieren.
 

12:00–12:30 Uhr

Neue Konzepte in der Komplementärmedizin: Vergabe des Forschungspreises der NATUM
Prof. Dr. med. Harald Meden, Rüti (Schweiz)